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9.12.2018 :

25 Jahre Kinder- und Jugendanwaltschaft Salzburg



(Presseaussendung der kija Salzburg vom 21.11.2018)

 

Seit 25 Jahren ist die kija Salzburg als weisungsfreie Ombudsstelle und Interessenvertretung fĂŒr Kinder und Jugendliche - seit 2015 auch fĂŒr junge Erwachsene bis 21 Jahre -  im Bundesland Salzburg tĂ€tig. Waren in den ersten zehn Jahren rund 1.000 Anfragen pro Jahr zu bewĂ€ltigen, sind diese vor allem seit der erfolgreichen kija-Regionaltour durch die Bezirke (2008 bis 2010) auf rund 3.000 EinzelfĂ€lle angewachsen. Insgesamt konnte die kija Salzburg seit ihrem Bestehen knapp 45.000 Kindern und Jugendlichen bei ihren Sorgen weiterhelfen. Die Themen reichen von A wie Armut bis zu Z wie Zuhause nicht mehr wohnen können. So unterschiedlich die Themen auch sind, die kija steht stets parteilich auf der Seite der Kinder und Jugendlichen

Bericht der kija im Landtag

Am Mittwoch dem 21. November 2018 wurde der TĂ€tigkeitsbericht der kija Salzburg im Landtag behandelt und einstimmig, mit viel Lob, zur Kenntnis genommen. Landeshauptmann Stellvertreter Heinrich Schellhorn gratuliert zum JubilĂ€um und betont bezugnehmend auf die aktuell geplante Kompetenzverschiebung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe die Wichtigkeit der Weisungsfreiheit der Landeseinrichtung, fĂŒr die er auf landesgesetzlicher Ebene weiterhin einsteht:

„Die kija wird als Sprachrohr da laut, wo junge Menschen verstummen und gib Acht, dass die Kinderrechte nicht verletzt werden. Sie handelt aber nicht nur im Einzelfall, sie macht auch die Politik immer wieder auf Problemfelder aufmerksam. So haben wir in Salzburg etwa auf ihre Empfehlung per Gesetz die kinderanwaltschaftliche Vertrauenspersonen verwirklicht, die allen Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen oder Pflegefamilien als unabhĂ€ngige, externe Ansprechperson vertrauensvoll zur VerfĂŒgung steht.“

kija Salzburg leistet Pionierarbeit

Ein weiterer Erfolg in der Geschichte der kija Salzburg ist die EinfĂŒhrung des Kinderbeistandes in strittigen familiengerichtlichen Verfahren, der den Kindern der sich trennenden Eltern zur Seit steht. Auch diese kinderrechtliche Errungenschaft geht auf ein Pilotprojekt der kijas Österreich zurĂŒck.

KreativitĂ€t beweist die kija immer wieder, wenn schnell reagiert werden muss. So stellte sie im Sommer 2015, als vermehrt minderjĂ€hrige GeflĂŒchtete nach Salzburg kamen, ein ehrenamtliches Patenschaftsprojekt auf die Beine. Auch im Rahmen des Schwesterprojektes „MutMachen“ vermittelt die kija Salzburg seit ĂŒber zwölf Jahren Mentorenschaften. In der kija Salzburg gelten die beiden Porojekte als echte „GlĂŒcks-Projekte“, auch wenn ihre finanzielle Absicherung immer wieder eine besondere Herausforderung darstellt.

Kommende Herausforderungen

Auch in den nÀchsten Jahren wird die kija Salzburg nicht leiser treten:

 

  • Ein wichtiges Ziel ist der Ausbau der regionalen Arbeit, damit alle Heranwachsenden im Bundesland Salzburg ĂŒber die Kinderrechte und ihre Interessensvertretung informiert sind und wissen, wo sie Hilfe holen können!    
  • Ein trauriger Spitzenreiter ist Mobbing. Die kija Salzburg wird im nĂ€chsten Jahr verstĂ€rkt daran arbeiten, dass die Schule ein gewaltfreier Lebensraum wird, wo man einander respektvoll begegnet. U. a. durch eine Fachtagung im Herbst 2019, die kinderrechtliche Fortbildung von LehrkrĂ€ften oder durch die Neuauflage des „Kinderrechtekoffers“ mit einer FĂŒlle an praxisorientierten pĂ€dagogischen Materialien.

Wie drĂ€ngend die Themen WertschĂ€tzung und Gleichbehandlung in der Schule sind, bestĂ€tigt die anlĂ€sslich des Internationalen Weltkindertags erhobene UNICEF-Umfrage „Europa fĂŒr Kinder“, an der rund 14.000 Kinder und Jugendliche aus ganz Europa teilnahmen. Die oberste Empfehlung der jungen TeilnehmerInnen fĂŒr die Zukunft Europas im Bereich Schule lautet eindrĂŒcklich: „Making sure no one is treated badly because of being different!“

Zuversichtlich stimmt, dass die ĂŒberwiegende Mehrheit der Kinder keine Angst vor Kindern aus anderen Kulturen hat, sondern - im Gegenteil - diese als Bereicherung empfindet. Auch die anderen Empfehlungen der Kinder und Jugendlichen an die EU, nĂ€mlich Frieden garantieren, Umweltschutz gewĂ€hrleisten und Gleichbehandlung fördern, decken sich mit den Zielen der kija Salzburg. So beobachten wir mit großer Sorge die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft und eine grĂ¶ĂŸer werdende Kluft zwischen den Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen: Auf der einen Seite leiden Heranwachsende am Zeitmangel der Eltern, an Langeweile, Überfluss und Wohlstandsverwahrlosung, auf der anderen Seite werden immer mehr Kinder und Jugendliche ihrer Chance auf gesellschaftlicher Teilhabe beraubt: sei es durch die geplante KĂŒrzung der Mindestsicherung fĂŒr Kinder, durch eine Ausbildungspflicht, die geflĂŒchtete Jugendliche ausschließt, oder eine Bildungspolitik, die anstelle von Integration und PrĂ€vention auf Separation und Strafe setzt.

kijas in die Verfassung

Die kija Salzburg wird weiter wachsam bleiben und sich, gestĂ€rkt durch den Verband mit den anderen acht kijas, auch in den nĂ€chsten Jahren fĂŒr die Achtung der Rechte ALLER Kinder und Jugendlichen einsetzen. Kinder- und JugendanwĂ€ltin Andrea Holz-Dahrenstaedt wĂŒnscht sich dafĂŒr eine unerschĂŒtterliche gesetzliche Basis:

„Seit 25 Jahren sind die kijas als weisungsfreie Einrichtungen im Einsatz fĂŒr die Kinderrechte, im Einzelfall und auf struktureller Ebene. Dieser Einsatz fĂŒr die Kinder muss auf höchster Ebene abgesichert werden. 2019 feiern wir 30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention. Das wĂ€re der richtige Anlass, um die kijas und mit ihnen natĂŒrlich die Kinderrechte durch eine Verankerung im B-VG Kinderrechte weiter zu stĂ€rken. Aber auch auf internationaler Ebene muss das UN-Kinderrechtskomitee aktuellen Entwicklungen Rechnung tragen und die Kinderrechtskonvention um das Recht auf intakte Umwelt als 55. Artikel erweitern.“